Sorbisch wie Arapaho lernen – und wieder im Alltag sprechen / Workshop in Cottbus-Chóśebuz als Startsignal für ganze Lausitz

In der Schule Sorbisch gehabt, aber später nie wieder sorbisch gesprochen? Auch die Heimatsprache der Lausitz leidet nach Auffassung der Initiatoren von „Zorja” schon lange „unter der Ineffektivität herkömmlicher Lehrmethoden, die vor allem für Mehrheitssprachen entwickelt wurden. Die besonderen Bedürfnisse und Herausforderungen beim Lernen kleiner Sprachen werden dabei vollkommen ausgeblendet.“ Das soll sich nun mit Hilfe von „Zorja“ (Morgenröte), einem Projekt im Rahmen des Strukturwandels zur Revitalisierung des Niedersorbischen/Wendischen, nicht nur in der Niederlausitz grundlegend ändern. Deshalb lädt „Zorja“ zur Einstimmung zu einem Workshop mit dem Anthropologen Neyooxet Greymorning von der Universität Montana (USA) ein, der zunächst für seine Muttersprache Arapaho erfolgreich eine eigene Lehrmethode entwickelt hat.

Die sogenannte „Accelerated Second Language Acquisition“ oder ASLA-Methode funktioniert nach dem Prinzip der Totalimmersion. Auf Basis von visuellen Inputs erfolgt der Unterricht vollständig in der Zielsprache, in die die Lernenden eintauchen wie Kleinkinder in ihre Muttersprache. So soll der kindliche Spracherwerb bestmöglich nachgeahmt werden. Auf diesem Wege werden inzwischen indigene Sprachen in den USA, Kanada und Australien revitalisiert.

In einem dreitägigen englischsprachigen Workshop vom 21. bis 23. März (Montag bis Mittwoch), täglich von 9 bis 16 Uhr, in Cottbus-Chóśebuz wird Prof. Greymorning seine Methode vermitteln. Der Kurs richtet sich nicht nur an Lehrende, sondern kann auch Lernenden zu einem tieferen Verständnis verhelfen. Anmeldung über: kontakt@zorja.org , genauer Ort wird dann mitgeteilt.

„Zorja“-Mitinitiator und Domowina-Bundesvorstandsmitglied Maximilian Hassatzky erklärt, warum der Workshop dem Sorbischen auch in der Oberlausitz und in der mittleren Lausitz den Weg in den Alltag vieler Menschen ebnen kann:

„Takego mjazynarodnego eksperta na pólu praktiskeje rěcneje rewitalizacije měś wu nas, jo jadnotliwa a rědka móžnośc nowe impulzy za inowatiwne pósrědnjenje serbskeje rěcy dostaś, lěc za Dolnu, Srjejźnu abo Górnu Łužycu. Pśichod našych serbskich rěcow wót efektiwnejšeje rěcneje wucy wótwisy a workshop dej byś zgromadny kśac do togo směra. Naš zaměr jo zasadne pólěpśenje rěcneje didaktiki w cełej Łužycy.” 

„So einen internationalen Experten auf dem Gebiet der praktischen Sprachrevitalisierung bei uns zu haben, ist eine seltene Gelegenheit, neue Impulse für die innovative Vermittlung der sorbischen Sprache zu bekommen, ob für die Nieder-, Mittel- oder Oberlausitz. Die Zukunft unserer sorbischen Sprachen hängt vom effektiveren Sprachunterricht ab und der Workshop soll ein gemeinsamer Schritt in diese Richtung sein. Unser Ziel ist die grundsätzliche Verbesserung der Sprachdidaktik in der ganzen Lausitz.“

Weitere Informationen: https://www.zorja.org/blog

Ziel von „Zorja“ ist die Rückkehr von Sorbisch/Wendisch als Alltagssprache dort, wo die Sprache aus der täglichen Kommunikation verschwunden ist. Vor allem richtet sich „Zorja“ an junge Menschen, die sich so intensiv mit dem Sorbischen befassen wollen, dass sie es später an ihre Kinder weitergeben können. Ausgangspunkt ist die Sorge um mehr Niedersorbisch/Wendisch-Sprechende, doch die hier praktizierte Sichtweise sei für die ganze Lausitz interessant, also auch für das Obersorbische oder Schleifer Sorbisch.

„Sorben/Wenden“ bzw. „sorbisch/wendisch“ werden in Brandenburg gleichbedeutend verwendet.

Foto: zorja.org. – Neyooxet Greymorning

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